EMDAS1
eine Maschine, die Arbeit schafft
Ausgeglichene Systeme brauchen neben der Vermehrung von Kapital
und Materialansammlung das Prinzip der Verschwendung.
Wenn diese ökonomische Annahme gilt, dann führt das zu der Ausgleichsregel
"Wer hoch baut, muß; nebenan tief graben."
Dieses paradoxe Regelwerk übersetze ich in eine konkrete Situation:
Eine Maschine gräbt sich in Sand ein,
wird dann von einem Angestellten wieder ausgegraben,
damit sie sich erneut eingraben kann.
Betriebsablauf
Phase 1: Die Maschine gräbt sich ein.
Sie veranstaltet ein flüchtiges Sandspektakel.
Phase 2: Das Verschwunden Sein.
Phase 3: Der/ Die Angestellte kommt, sucht die Maschine mit
einem Metalldetektor und gräbt sie vorsichtig aus. Mit einer
Seilwinde wird die Maschine auf ein Wartungsgestell gehoben.
Der/ Die Angestellte unternimmt die Wartung der Maschine
(überprüfen der Kontakte, eingedrungenem Sand entfernen,
etc.) und tauscht die Akkus aus.
Die Maschine wird wieder in ihre Ausgangsposition gestellt,
der verstreute Sand wird zusammengekehrt und durch ein
Sieb geschüttet. Der gesäuberte Sand wird zurück in den
Sandbehälter gegeben und der Bodenschmutz beseitigt. Der/
die Angestellte räumt sein Arbeitswerkzeug zusammen und
bleibt bis zu seinem folgenden Arbeitsauftrag verschwunden.
Inszenierung der Phasen am Modell
Die Maschine schafft Arbeit: Der Angestellte
Immer wenn die Maschine präsentiert wird, dann muss jemand eingestellt werden. Der
Angestellte bekommt einen Arbeitsvertrag und einen angemessenen Lohn, auch wenn er durch
seine Arbeit (das Ausgraben der Maschine) nichts zum Bruttosozialprodukt beiträgt,
sondern Teil der Verschwendung ist.
Entwicklung
In Zusammenarbeit mit Martin Bischoff, Frank Ellendt und Herbert Frassek habe ich ein Versuchs-
Modell konstruiert und in der Schlosserei Brengelman/ Teppelmann in Bruchhausen Vilsen gebaut.
Das Modell hat eine Höhe von 50 cm und wiegt 19 Kilogramm.
Als Stipendiatin des Edith-Ruß-Haus für Medienkunst, gesponsort von der Stiftung Niedersachsen,
habe ich die Entwicklung des Prototyps wieder aufnehmen können.
EMDAS1 wird eine Höhe von 130 cm auf 8 Tonnen Wesersand haben, die Betriebsspannung
ist 12 V und der Grabeprozess dauert bis zu einer Stunde.
Im Reuleaux-Haus der Technischen Universität Berlin konnte ich die exakten Drehmomente im Sand
mit Hilfe eines Telemetriesystems ermitteln.
In enger Zusammenarbeit mit Fabian Glaß wurde EMDAS1
im CAD konstruiert. Wir haben ein Getriebe entwickelt, welches die benötigten Kräfte bereitstellen kann.
Meilensteine

Getriebe Eigenkonstruktion
Übersetzung 1 : 1050, Drehmoment an den Schaufeln bis zu 120 Nm
technische Ausführung: Fabian Glaß
Versuchsaufbau: Test der ersten von fünf Rotationsstufen im Sand
film still | Edith-Ruß-Haus für Medienkunst, Oldenburg 2010
Aufbauskizze, Jana Linke, Berlin 2010
Die Maschine besteht aus fünf gegenläufigen Rotationsstufen. Jede Stufe bekommt ihr eigenes Getriebe
und ihren eigenen Motor.
Die Produktion erfolgt in Zusammenarbeit mit diversen Einzelpersonen, Firmen und Instituten, die bereit sind,
mir ihr Wissen, einen Arbeitsort und/oder Material zu schenken.
Radiointerview anhören | Kulturjournal, Nordwestradio
Credits
technische Ausführung: Fabian Glaß
technische Unterstützung: Martin Bischoff, Herbert Frassnek,
Frank Ellendt, Michael Linke, Konrad Harlan, Niklas Roy
Unterstützung in der Produktion:
Metallarbeiten:
Günter Penner, feine Mechanik Berlin
Jürgen Tepelmann, Schlosserei Brengelmann
Kowalski Feinmechanik, Berlin
TINTEC Metalltechnik, Hilgermissen
Formenbau:
Jürgen Kehlenbeck
Michael Brauer, Brauer GFK Berlin
Fräsarbeiten: Mathias Kuhl, CNC lab, UdK Berlin
ermöglicht mit:
Universität der Künste Berlin

Institut für Konstruktionstechnik

Bolzen und Zylinderstifte
Hartgewebeplatten

Hartschaumplatten
Schrauben

Stirnzahnräder / Zahnriemenräder
Zahnriemen